Spa-Tos: Eine neue Krankheit?
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Nur ein Wort

Nein, ich habe keine neue Krankheit entdeckt. Es gibt schon genügend davon. Und bei aller Sympathie für fachübergreifende Themen: Die Medizin ist ein sehr komplexes Thema, da (er)findet man als Nicht-Mediziner wohl kaum ein neues Krankheitsbild.

Aber was bedeutet dann Spa-Tos neben medizinischen Themen wie Morbus Bechterew und Schiefhals? Das wird schnell klar wenn man weiß dass die Experten zu Morbus Bechterew auch Spondylitis ankylosans sagen und einen Schiefhals als Torticollis spasticus bezeichnen. Und wenn man jetzt noch jemanden findet der sich den Luxus leistet beide Krankheiten zu "besitzen", dann kann man die Ursache(n) für sine daraus resultierenden Symptome einfach mit Spa-Tos benennen. (Gratulation! Sie haben den Jemand schon gefunden.)

Eine geeignete Abkürzung zu finden war garnicht einfach. Da ich mich mit keinen Urheberrechtsfuzzis (hoffentlich ist dieses Wort nicht gesetzlich geschützt!) anlegen wollte und auch sonst keine Verwechslungen möglich sein sollten, habe ich die verschiedensten Buchstaben-Kombinationen über Yahoo! und Google suchen lassen. Und ein Zungenbrecher soll es ja auch nicht sein. Falls es mit dem Kürzel trotzdem ein Problem geben könnte, wäre das einer von hoffentlich vielen Gründen mir eine zu schreiben.

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Wieviele Betroffene?

In unterschiedlichen Quellen liest man Zahlen von 0,1% bis 0,5% der Bevölkerung die an Morbus Bechterew erkrankt ist. Diese Zahlen gelten für Mitteleuropa und setzen eine deutliche Wahrnehmung der Symptome voraus. Übertragen auf den deutschsprachigen Raum kann man somit von ungefähr 100.000 Betroffenen ausgehen.

Die Zahlen für den Schiefhals sind nicht so deutlich herausgearbeitet und meist als Teilmenge einer Gruppe von ähnlichen Krankheiten angegeben. Man kann aber bei Berücksichtigung mehrerer Quellen von 20-30 Betroffenen pro 100.000 Menschen in Deutschland ausgehen.

Auch ohne Taschenrechner kann man festzustellen dass im überwiegend deutsch sprechenden Teil von Europa ungefähr 30 Menschen von Spa-Tos betroffen sind. Selbst wenn man diese Zahlen noch vorsichtiger Interpretiert als hier schon geschehen, muss man von 10-20 Leidensgenossen ausgehen.
Nicht berücksichtigt wurde hier eine mögliche gegenseitige Beeinflussung der Wahrscheinlichkeiten für das Auftreten der Krankheiten. Ich konnte darüber keine Aussagen finden.

Ein Ziel dieser Web-Site ist es, mit möglichst vielen der betroffenen Menschen in Kontakt zu kommen.
Wenn Sie selbst dazugehören oder jemanden kennen der entsprechende Symptome hat dann schreiben Sie mir doch bitte eine !

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Symptome und Auswirkungen

Wer die beiden oben genannten Krankheiten noch nicht kennt kann sich bestens über die Beschreibungen und Links weiter unten informieren. Dort sind kompakte aber trotzdem ausführliche Symptombeschreibungen und Behandlungsmethoden zu finden. Ich versuche die Linklisten auf dem Laufenden zu halten und bei Bedarf zu ergänzen.

Interessant wird es wenn man Symptome beider Krankheiten kombiniert. Das ist nicht immer nur eine Summe von Einzelsymptomen. In meinem Fall hat sich das so ausgewirkt:
Der Bechterew hat die Halswirbelsäule (HWS) verknöchert und somit fast unbeweglich gemacht. Der später hinzukommende Schiefhals hat versucht den Hals ständig nach links zu drehen. Durch diesen ständigen Zug über einen Zeitraum von 3 Jahren, hat sich der Hals tatsächlich nach links gedreht. Durch die Verknöcherung der HWS und die starken Zugkräfte wurde der 1. Halswirbel (C1, Atlas) um ca 45 Grad gegenüber dem 2. Halswirbel (C2, Axis) nach links gedreht und ist in dieser Position versteift (siehe auch Bild). Dafür hat dann wiederum der Bechterew gesorgt.

Trotz einer erkennbaren Rechtsdrehung des Brustkorbs ist der Kopf deutlich nach links gedreht (siehe Nase!).
















Bildquelle: hdr, Klinik Langensteinbach


Die beiden Einzelkrankheiten waren mit erreichen dieser Situation natürlich nicht geheilt. Zwar ist der Bechterew nichtmehr so aktiv, das bedeutet dass heftige entzündliche Schübe nur noch selten auftreten. Dafür war der Schiefhals um so aktiver. Die Halsmuskulatur hat immer noch versucht den Kopf nach links zu drehen. Da durch die Versteifung fast keine Bewegung mehr möglich war, befand sich die Muskulatur in einem ständigen Verkrampfungszustand. Jeder Versuch die normalen Muskefunktionen zu benutzen, wurde mit zusätzlichen stechenden Schmerzattacken beantwortet. Dies war zum Beispiel beim Hinliegen der Fall wenn der Kopf in der Horizontalen gehalten werden muss, oder beim Mitfahren in einem Auto wenn ständige Ausgleichsbewegungen durch Beschleunigungen, Unebenheiten oder Kurven gemacht werden müssen. Diesen permanenten Schmerzen konnte nur mit der ständigen Einnahme von Schmerzmitteln bei steigender Dosierung begegnet werden.

Im letzten Abschnitt habe ich beim Thema Auto extra das "Mitfahren" erwähnt. Seit Ende 2003 traue ich mir nichtmehr zu selbst einen Wagen zu lenken. Wahrscheinlich hätte ich das schon früher machen müssen. Aber es ist nicht einfach so eine Entscheidung selbst zu treffen. Außerdem musste ich bis Mitte 2003 noch irgendwie an meinen Arbeitsplatz kommen. Die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu meiner letzten Arbeitsstätte war praktisch unmöglich.

Die bei einem Schiefhals üblichen Botox-Spritzen haben bei mir leider nicht über einen längeren Zeitraum angesprochen. Da die unheilige Allianz der beiden Krankheiten viel zu spät erkannt wurde, sind konsequentere Maßnahmen gegen den Schiefhals erst 4 Jahre nach Auftreten der ersten Symptome ergriffen worden. Dazu mehr im Abschnitt Behandlung.

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Halswirbelsäule

Bildquelle: Geigy Pharma
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Mögliche Behandlungen


Medikamente:

Die Behandlung von Bechterew und Schiefhals besteht vor allem aus Krankengymnastik und Medikamenten. Letzteres natürlich nur wenn man der schulmedizinischen Linie folgt. Von den vielen pharmazeutischen Produkten die hier zum Einsatz kommen können, hat sich bei mir im Lauf der Zeit folgender "Chemie"-Mix ergeben:

  • Das Rheumamittel (Schmerz, Entzündungen) Vioxx.
    Nachdem dieses Medikament wegen neu erkannter Nebenwirkungen vom Markt genommen wurde ist es von meinem Arzt durch Celebrex ersetzt worden.
  • Zur zusätzlichen Entzündungshemmung das gefürchtete Kortison
  • Als Basismedikament (um Kortison zu reduzieren) Methotrexat (MTX)
  • Das Schmerzmittel Tramundin vor allem wegen der Schiefhals-Schmerzen
  • Das Muskelgift Botox gegen den Schiefhals


Krankengymnastik:

Der Bereich Krankengymnastik, oder allgemeiner Physiotherapie, ist natürlich ein sehr umfangreiches Thema. Es gibt viele unterschiedliche Ansätze die zum Teil einen fast philosofischen Hintergrund haben. Zwei Ansätze die bei mir für die Schiefhalsbehandlung eingesetzt wurden möchte ich hier kurz erwähnen.

  • Cross-Therapie:
    Alternative Behandlung für den Torticollis. Leider ohne nachhaltigen Erfolg. Möglicherweise hätte ein Kuraufenthalt mit mehrwöchiger intensiver Anwendung mehr gebracht. Dies hätte einen erheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwand erfordert. Die Chance auf einen grundlegenden Erfolg erschien mir dafür aber zu gering.

  • Vojta-Therapie:
    Diese Therapie wurde ursprünglich für Kleinkinder erfunden und später für Erwachsene weiterentwickelt. Dies war der letzte physiotherapeutische Versuch den Schiefhals zu bekämpfen. Es konnte zwar kein nachhaltiger Erfolg erzielt werden, aber der Ansatz war vielversprechend. Während der Behandlung und einige Stunden danach wird eine Muskelentspannung festgestellt. Dies wirkt sich zumindest subiektiv auch auf die Beweglichkeit aus. Auch nach der Operation (siehe unten) ist Vojta bis heute die am besten ansprechende Therapie.



Akupunktur:

Ein nicht schulmedizinischer Versuch gegen den Schiefhals waren Akupunktur-Anwendungen. Der erste Versuch durch einen Heilpraktiker wurde von diesem nach der dritten Sitzung abgebrochen. Das war ungefähr ein Jahr nach Beginn der Krankheit. Der zweite Anlauf war nach etwa drei Jahren und wurde von einem chinesischen Arzt durchgeführt der auch schon an deutschen Kliniken gearbeitet hat. Auch er hat nach acht Anwendungen erkannt, dass der gewünschte Erfolg ausbleibt.



Neurologische Operation:


Da wie oben erwähnt die klassische Schiefhals-Behandlung mit Botox-Spritzen bei mir keine nachhaltige Wirkung gezeigt hat, war eine operativer neurologischer Eingriff erforderlich.

Im Kurzbericht der neurochirurgischen Abteilung der Uni-Klinik Mannheim an welcher die Operation durchgeführt wurde heist es:
"Ramisektomie C2 bis C6 rechts ... Myotomie und dorsale Denervierung ..."
Dabei bedeutet "Ramisektomie" die Durchtrennung von Nervenzweigen (lat. Ramus = Zweig, Ast). "C2 bis C6 rechts" beschreibt den Ort entlang der Halswirbelsäule an dem sich die betroffenen Nerven befinden. "Dorsal" bedeutet, dass der Eingriff von der Rückseite der Wirbelsäule und nicht durch den Mund erfolgte. Es wurden also die einzelnen Nervenäste, welche die krankhaft aktivierten Nackenmuskeln versorgen einzeln aufgesucht und durchtrennt.

Die im o.g. Kurzbericht erwähnte "Myotomie und dorsale Denervierung" bezieht sich auf einen bestimmten Muskel und zwar den Sternocleidomastoideus-Muskel. Hier wurde die Nervenversorgung sowie der gesamte Muskel durchtrennt.

Diesen Gesamteingriff bezeichnet man auch als Bertrand-Operation.

Operationsnarbe (Ramisektomie)
nach 6 Wochen ...
Operationsnarbe am Sternocleidomastoideus-
Muskel nach 5 Wochen
Operationsnarbe hinten Operationsnarbe rechts
... nach 8 Monaten
Operationsnarbe OK hinten

Bilderquelle: hdr




Orthopädische Operation:

Mit der deutlichen Reduzierung des Torticollis-Effektes ist das Problem des schief sitzenden Kopfes allerdings noch nicht behoben. Es kann lediglich eine weitere Verschlechterung (hoffentlich) verhindert werden.

Nach der ersten Diagnose über den verdrehten ersten Halswirbel an der Neurologischen Klinik Dietenbronn trat die Behandlung des Torticollis, was der ursprüngliche Grund für den Klinikaufenthalt war, in den Hintergrund. Das erste Ziel der Behandlung war plötzlich die Korrektur des orthopädischen Problems. Es wurde angenommen dass es die Ursache für den Schiefhals ist. Man machte sich also auf die Suche nach einer entsprechenden Fachklinik. Das hatte sich leider länger hingezogen als erwünscht.

Endlich gab es dann einen stationären Termin im Klinikum Langensteinbach.
Die Klinik ist bekannt für Operationen an der Wirbelsäule. Trotzdem war die Empfehlung nach gründlicher Untersuchung zuerst den Schiefhals zu behandeln. Also wieder eine Kehrtwende um 180 Grad. Der Grund war das Risiko einer Operation am 1. Halswirbel (C1, Atlas). So entstand der Kontakt zur Uni-Klinik Mannheim Auch dort wird nach erfolgter neurologischer Operation (siehe oben) der Eingriff zur Korrektur der Kopfhaltung sehr kritisch betrachtet. Dies bezieht sich sowohl auf die Operation selbst alsauch auf den schwer vorherzusagnden Erfolg.

Auch eine ambulante Untersuchung an der Uniklinik Freiburg kam zu einem ähnlichen Ergebnis.

Deshalb: Vorläufig ist eine orthopädische Operation zur Korrektur der Kopfhaltung nicht geplant!

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Auswirkungen der neurologischen Operation

Haben Sie sich schon einmal die Mühe gemacht eine grafische Darstellung von Gelenken, Muskeln, Sehnen und Blutgefäßen im Nackenbereich anzuschauen (z.B. an Wandbildern bei Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten)? Dann haben Sie sicher einen ersten Eindruck davon wie komplex die Zusammenhänge in diesem Bereich sind. Die genauen Folgen bei der Bewegung eines Muskels können nur vage vorhergesagt werden. Die Konsequenzen bei Bewegung mehrerer Muskeln sind theoretisch nichtmehr zu bestimmen. Zu viele (kompliziert konstruierte) Gelenke und Sehnen spielen eine Rolle. Vermutlich wären auch moderne Rechner überfordert bei der Steuerung eines menschlich anmutenden Bewegungsablaufs des Kopfes, im Vergleich zu den immer noch grobmotorisch erscheinenden Bewegungen eines Roboters. Das menschliche Hirn ist dazu in der Lage! (Das alles gilt natürlich auch für andere Körperteile)

Ein guter Chirurg kann die Konsequenzen seines Eingriffs in dieses System relativ gut abzuschätzen. Je mehr Erfahrung er hat desto genauer. Es werden aber immer bestimmte Unsicherheiten bleiben. Nicht jeder Mensch funktioniert exakt gleich. Diese Unsicherheiten sind um so größer je mehr der Patient von der "Norm" abweicht. Bei einem vorliegenden Bechterew ist diese Abweichung besonders groß. Nebenwirkungen, wie man sie auch von Medikamenten kennt, sind weniger kalkulierbar.

Die vorausgehenden Ausführungen halte ich für wichtig um die bisher bei mir aufgetretenen Nebenwirkungen richtig bewerten zu können. Im einzelnen sind dies:

  • Der Kopf ist jetzt weiter nach vorne geneigt als vor der Operation. Die Folge sind Probleme beim Geradeausschauen (nach oben schauen ist kaum noch möglich) beim Trinken (z.B. beim Leertrinken eines Glases) und beim Essen (Einführen der Speisen in den Mund). Es gibt eine Tendenz zum sabbern.

  • Der Würgereiz ist ebenfalls stärker als vor der Operation. Das sorgt für Probleme beim Schlucken und Sprechen. Eine Unterhaltung während des Essens ist kaum noch möglich. Ist vielleicht auch besser so...

  • Die Zunge fühlt sich beim Sprechen etwas schwer an. Fast so als ob man ein Glas zuviel getrunken hätte (was natürlich nie der Fall ist!). Ich muss mich beim Sprechen deshalb mehr konzentrieren als früher. Meine Mitmenschen verstehen mich sonst nicht immer auf Anhieb.

  • Ein Knoten links neben der Halswirbelsäule ungefähr bei C4 hat für Schmerzen und Verspannungen gesorgt. Die Ursache war eine bakterielle Entzündung an einer Stelle an welcher bei der Operation ein Schlauch eingeführt wurde. Die Folge war eine Schwellung eines Lymphknotens. Dieser übte Druck auf Nerven und Muskeln aus. Durch eine antibiotische Salbe konnte die Entzündung behoben werden. Ein besonders intensiver Schmerzpunkt an dieser Stelle hat sich allerdings zunächst nicht gebessert. Etwa 7 Monate nach der Operation ist aber auch dieses Problem weitgehend verschwunden.

  • Neu waren Schmerzen mit unterschiedlicher Intensität im linken Kiefergelenk beim Kauen. Oftmals konnten Lebensmittel nur noch mit den Schneidezähnen gekaut werden. Es gab schon seit einigen Jahren Probleme im rechten Kiefergelenk. Aus diesem Grund musste bei Nacht eine Schiene getragen werden. Das rechte Kiefergelenk ist momentan schmerzfrei. Die Schiene wird jetzt nichtmehr getragen und die Schmerzen links sind danach auch abgeklungen. Die Ursache für die ganze Problematik liegt in den veränderten Muskelaktivitäten. Die "Geometrie" im Hals- Nacken- Kopf-Bereich wurde verändert. Dies wirkt sich auch auf die Verhältnisse an den Kiefergelenken aus. Es war auch nach Ansicht meines Zahnarztes erst dann sinnvoll etwas zu unternehmen wenn sich die Gesamtsituation wieder stabilisiert hat. Ich rechnte mit 6-12 Monaten. Tatsächlich sind die Schmerzen in den Kiefergelenken ein halbes Jahr nach der Operation völlig verschwunden. Ich hoffe, dass ich diesen Abschnitt nicht irgendwann ergänzen muss...

Nach Aussagen der behandelnden Ärzte würde sich die Kopfneigung und der Würgereiz bei weiteren Eingriffen eher noch verschlechtern. Sogar eine Korrektur der Kopfhaltung könnte das Würgeproblem vergrößern.



Als eindeutiger Erfolg der Operation kann festgehalten werden, dass die Einnahme des Schmerzmittels Tramundin nach etwa 10 Wochen auf 1/3 der Dosis vor der Operation reduziert werden konnte. Aufgrund des vorhandenen Suchtpotentials des Medikaments kann die Dosierung nicht zu schnell verringert werden. Abgeschlagenheit und innere Unruhe wären (und waren zum Teil auch) die Folge.

Leider musste die Tramundin-Dosis etwa 5 Monate nach dem Eingriff wieder erhöht werden. Tief sitzende Schmerzen im Nacken waren der Grund. Möglicherweise war die Muskulatur noch zu verkrampft und zu schwach um die Halswirbelsäule ausreichend zu stützen. Außerdem musste kurze Zeit vorher das Rheumamittel Vioxx (das sich auch auf meine Schiefhals-Schmerzen positiv auswirkte) durch das weniger wirksame Celebrex ersetzt werden. Angeblich wegen zu starker Nebenwirkungen auf Herz und Kreislauf. Zur Zeit bin ich auf 2/3 der Tramundin- Dosis von vor der Operation. Ein weiterer Abbau muss folgen. Dies kann allerdings nicht unabhängig von der Bechterew-Erkrankung geschehen. Denn diese hat zwischenzeitlich auch Hüft- Knie- und Sprung-Gelenk des rechten Beins befallen.

Seit dem achten Monat nach der OP ist allerdings ein recht stabiler schmerzarmer Zustand eingetreten (mit Schmerzmitteln, s.o.!). Auch die spontanen Linksbewegungen des Kopfes sind erheblich reduziert. Das Liegen und Drehbewegungen im Liegen sind wieder viel besser möglich. Die Schlafqualität ist im Vergleich zu der Zeit vor dem Eingriff spürbar besser. Ich kann also sagen, dass die positiven Folgen die negativen überwiegen. Die Operation war also insgesamt erfolgreich.

Das gilt für das private Leben innerhalb der eigenen Wohnung. Schon beim Überqueren der Straße, beim Einkaufen oder bei der Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln merke ich schnell wo meine Grenzen sind. Aber viel mehr war wohl auch nicht zu erwarten.

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Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans)
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Allgemeines

Der nach dem russischen Neurologen Wladimir M. von Bechterew (St. Petersburg, 1857-1927) benannte M. Bechterew ist der Hauptvertreter aus der übergeordneten Krankheitsgruppe der seronegativen Spondarthritiden. Die Erkrankung betrifft Männer häufiger als Frauen, wobei sich heute mit besserer Kenntnis des Krankheitsbildes und mit den verbesserten diagnostischen Möglichkeiten die Ansichten über die Relationen zunehmend verschieben. Nahm man beispielsweise vor etwa 20 Jahren noch an, daß 9 an Bechterew erkrankten Männern nur eine an Bechterew erkrankte Frau entgegenstünde, korrigierte man dieses Verhältnis vor etwa 10 Jahren auf 5:1 bis 4:1. Heute verschiebt sich diese Relation noch weiter zum Nachteil der Frauen, d.h. man diagnostiziert heute die Erkrankung auch bei Frauen immer häufiger.

Die Bechterew-Krankheit, von der in Deutschland fast ein Prozent der Bevölkerung betroffen ist, beginnt meistens schon im Alter von 20 bis 40 Jahren. Durch die Entzündung der Wirbelgelenke kommt es erst zu Rückenschmerzen, später zu einer Verknöcherung und Versteifung der Wirbelsäule. Auch andere Gelenke und innere Organe können von den schmerzhaften Entzündungen betroffen sein.

Zu dem Kompetenznetzwerk Rheuma, einem vom Bundesgesundheitsministerium geförderter Zusammenschluss von acht Einrichtungen der Rheumaforschung, gehören als Berliner Institutionen das Universitätsklinikum Benjamin Franklin, die Charité der Humboldt-Universität Berlin, der Campus Buch der Charité, das Deutsche Rheumaforschungszentrum und die Schlosspark-Klinik. Weiter sind Einrichtungen aus Hannover, München und Düsseldorf beteiligt.

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Diagnose

Der M. Bechterew beginnt bei den meisten Patienten bereits im jungen Erwachsenenalter. Der Erkrankungsgipfel (Zeitpunkt der ersten Symptome) liegt zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Eine Erstmanifestation nach dem 40. Lebensjahr ist selten, ist aber möglich. Man sollte allerdings bei Patienten, die die ersten Symptome einer entzündlich-rheumatischen Wirbelsäulenerkrankung zeigen, mit der Diagnose eines M. Bechterew extrem vorsichtig sein.

Zur Erkrankung gehört typischerweise der Rückenschmerz vom entzündlichen Typ (siehe Test), später der Nachweis einer Entzündung der Kreuz-Darmbein-Gelenke (Sakroileitis) im Röntgenbild oder andere Entzündungszeichen im Röntgenbild der Wirbelsäule (z.B. Bildung von zarten Knochenspangen zwischen den Wirbelkörpern = Syndesmophyten). Weitere diagnostische Merkmale sind eine eingeschränkte Atembreite, die Entzündung von Gelenken (Arthritis), aber auch den Entzündung von Sehnenansätzen (Enthesiopathie) oder Entzündungen von Organen (z.B. Iritis).

Die Diagnose eines M. Bechterew wird über sogenannte Diagnosekriterien gestellt. Sie setzen sich aus klinischen Kriterien (d.h. Beschwerden des Patienten, Befunde der rheumatologischen Untersuchung) und aus radiologischen Kriterien (Veränderungen bei der Röntgenuntersuchung der Ileosakralgelenke (= Kreuz-Darmbein-Gelenke) zusammen.

Wesentliche Elemente für die Diagnose eines M. Bechterew sind:

  • Rückenschmerzen vom entzündlichen Typ (siehe Test: Wirbelsäulenrheuma)
  • Einschränkung der Wirbelsäulenbeweglichkeit in der Lendenwirbelsäule in allen Bewegungsrichtungen (sogenannte Freiheitsgrade: Bewegung nach vorne und hinten, Beweglichkeit zur Seite (nach rechts und nach links), Beweglichkeit in der Drehung (Rotation rechtsherum - linksherum))
  • eingeschränkte Atembreite (gemessen in der Höhe zwischen der 4. und der 5. Rippe = 4. Zwischenrippenraum oder ICR = Intercostalraum)
  • Entzündung des Ileosakralgelenks (Sakroileitis), entweder mindestens II. Grades im rechten und linken Ileosakralgelenk (zur Gradeinteilung der Entzündung im Kreuz-Darmbein-Gelenk siehe Sakroileitis) oder bei einseitigem Befall IV. Grades einseitig.

Der Verdacht auf das Vorliegen eines M. Bechterew wird erhärtet durch den Nachweis des typischen Risikomarkers HLA B27 im Blut; es gibt jedoch auch Bechterew-Patienten, bei denen dieser Marker nicht nachweisbar ist.

Viele Patienten mit einem M. Bechterew haben keine Entzündungszeichen im Blut (z.B. findet man bei ihnen weder eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit noch ein erhöhtes c-reaktives Protein), obwohl der M. Bechterew eine entzündlich-rheumatische Erkrankung ist. Das Fehlen solcher Entzündungszeichen im Blut ist bei einigen Patienten der Grund dafür, daß die Diagnose z.T. erst sehr spät oder manchmal auch gar nicht gestellt wird.

Gerade zu Beginn der Erkrankung sind oft im Blut keine entzündlichen Veränderungen nachweisbar. Auch fehlen bei Krankheitsbeginn einige andere der oben aufgeführten Symptome und Befunde. Das macht für den unerfahrenen Arzt die Diagnose eines M. Bechterew oft schwierig.

Ebenfalls sieht man zu Krankheitsbeginn auch noch nicht die typische Entzündung der Kreuz-Darmbein-Gelenke (Sakroileitis) im Röntgenbild. Besteht auf Grund der anderen Symptome oder Befunde der dringende Verdacht auf das Vorliegen eines M. Bechterew (oder auch auf eine verwandte Erkrankung aus der Obergruppe der seronegativen Spondarthritiden), helfen manchmal zusätzliche Röntgen-Untersuchungen (z.B. Schichtaufnahmen der Kreuz-Darmbein-Gelenke oder computertomographische Untersuchungen) weiter. Wir sind damit allerdings aus Gründen der Strahlenbelastung sehr zurückhaltend. Häufig wird zur Diagnosesicherung die Durchführung eines Knochenszintigramms (auch "Szintigraphie" genannt) empfohlen. Ist diese Untersuchung positiv, ist dies ein wichtiger Baustein für die Diagnose. Man muß allerdings wissen, daß die Szintigraphie oft keine Entzündungszeichen aufweist, auch wenn eine aktive Bechterew-Erkrankung vorliegt. Ein sogenannter "negativer" Befund einer Knochenszintigraphie schließt damit einen M. Bechterew nicht aus. Eine zunehmend verwendete Methode gerade auch in der Frühdiagnostik des M. Bechterew ist die Kernspin-Tomographie. Mit der Kernspin-Tomographie können Entzündungen der Kreuz-Darmbein-Gelenke sehr viel früher als mit der normalen Röntgenuntersuchung festgestellt werden. Andererseits gelten für die Kernspin-Tomographie ähnliche Einschränkungen wie für die Knochen-Szintigraphie, d.h. ein unauffälliger Befund bei der Kernspin-Tomographie schließt einen M. Bechterew ebenfalls nicht aus.

Häufig beginnt ein M. Bechterew auch mit Symptomen außerhalb der Wirbelsäule. Typische Erstsymptome eines M. Bechterew sind beispielsweise:

  • Gelenkentzündungen (Arthritis), dabei sind typischerweise große Gelenke der unteren Körperhälfte betroffen (am häufigsten das Kniegelenk)
  • Achillessehnenentzündungen, die ohne besonderen Anlaß entstehen
  • Regenbogenhautentzündungen am Auge (Iritis)
  • Entzündliche Fersensporne

Es ist deshalb wichtig, bei Auftreten dieser Symptome auch an die Möglichkeit eines M. Bechterew zu denken, denn in diesem frühen Stadium sind üblicherweise noch keine bleibenden Veränderungen an der Wirbelsäule eingetreten. Eine frühzeitig eingeleitete, effektive Therapie kommt dadurch nicht zu spät und kann in vielen Fällen ungünstige Verläufe der Erkrankung verhindern.

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Behandlung

Für die Bechterew-Krankheit, einer häufigen rheumatischen Erkrankung der Wirbelsäule, gibt es bislang keine Heilung. Lediglich die Symptome können durch Schmerzmittel, Krankengymnastik und entzündungshemmende Mittel gelindert werden.

Über einen neuen erfolgreichen Ansatz, den Ursachen der Entzündung medikamentös zu begegnen, haben jetzt Prof. Jürgen Braun und Prof. Jochen Sieper von der Abteilung für Rheumatologie des Universitätsklinikum Benjamin Franklin auf der Grundlage einer umfassenden klinischen Studie in der medizinischen Fachzeitschrift Lancet (2002, Band 359, S.1187) berichtet. Die Untersuchung wurde am Berliner UKBF und weiteren Kliniken des bundesweiten Kompetenznetzwerks Rheuma durchgeführt.

Die Therapie der Berliner Mediziner setzt beim dem Botenstoff des Immunsystems "Tumor-Nekrose-Faktor"(TFN)-alpha an, der bei der Auslösung chronisch-entzündlicher Erkrankungen eine wichtige Rolle spielt. Auch an den entzündeten Gelenken von Bechterew-Patienten wurde TNF-alpha vermehrt nachgewiesen. Gegen diesen Stoff setzten Braun und Sieper einen blockierenden Wirkstoff mit der Bezeichnung "Infliximab" ein - mit bemerkenswerten Erfolgen.

Von den 35 Patienten, die im Rahmen der Studie mit dem TNF-alpha-Blocker Infliximab behandelt wurden, zeigten mehr als 80 Prozent eine klinische Besserung, und bei über 50 Prozent war eine Reduzierung der ursächlichen Entzündungen um die Hälfte festzustellen. Die Alltagsfunktion und die Lebensqualität besserten sich signifikant unter Einsatz des Medikaments, nicht aber unter dem Placebo, das einer Kontrollgruppe verabreicht wurde. Als Nebenwirkungen traten Störungen des Immunsystems auf, darunter ein Fall von Tuberkulose, ein Fall von allergischer Granulomatose der Lunge und ein Fall von vorübergehendem Abfall weißer Blutkörperchen (Leukopenie) auf.

Schon jetzt gilt die Studie als Meilenstein in der Behandlung von Bechterew-Patienten. Erstmalig ist damit eine Behandlung der Ursachen dieser rheumatologischen Erkrankung der Wirbelsäule gelungen, bei der das gängigste Mittel gegen Entzündungen, Kortisol, schlecht oder gar nicht wirkte.

Die Besonderheit der Untersuchung besteht darin, dass es sich um die weltweit erste placebokontrollierte Studie mit TNF-alpha-Blockern zur Bechterew-Krankheit (ankylosierende Spondylitis) handelt, die außerdem nicht von Pharmafirmen, sondern von behandelnden Ärzten initiiert wurde.

Quelle: Sozialportal

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Links: Bechterew (Spondylitis ankylosans)
MediMedia-Verlag: Kurze Übersicht
MedizInfo: Kompakte Übersicht
netdoktor: Kompakte Übersicht
rheuma-online: Kompakte Übersicht
Onmeda: Mehrseitige Übersicht
Bechterew.com: Ausführliche Webside
Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew: Selbsthilfeorganisation
Deutsche Rheumaliga: Selbsthilfeorganisation
Neue Therapie: TNF-alpha-Blocker (Ausführliche Webside)
Neue Therapie: TNF-alpha-Blocker (Übersicht)
Weitere Links zum Thema Gesundheit!
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Schiefhals (Torticollis spasticus)
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Übersicht

Torticollis ist eine Krankheit, die zu einer Schiefhaltung des Kopfes führt und deren Ursache noch weitgehend unbekannt ist. Der Schiefhals kann eine Dreh- (Torti), eine Rückwärts- (Retro) und eine Seitwärtskomponente (Laterocollis) haben. Für den Betroffenen ist es teilweise unmöglich, den Kopf in eine gewünschte Richtung zu drehen.

Oftmals treten bereits zu Beginn oder im weiteren Verlauf starke Muskelverspannungsschmerzen auf. Viele Patienten können die Symptomatik durch eine Berührung der Wange bessern und den Kopf wieder in Mittelstellung führen.

Von wissenschaftlicher Seite wird vermutet, daß die Krankheit durch eine Fehlfunktion im Gehirn verursacht wird. Sie beschränkt sich auf unwillkürliche Kontraktionen der Muskeln um den Hals herum, die die Kopfstellung steuern.

Eine andere Theorie besagt, daß eine Fehlhaltung großer Teile des Skeletts (Becken, Wirbelsäule, Kiefergelenke) und die asymmetrische Ausrichtung der damit verbundenen Muskelgruppen zu einer Torticollis-Erkrankung führen kann.

Es gibt derzeit keine Behandlungsform für TS, die für jeden Patienten anwendbar ist. Der TS- Erkrankte sollte einen Arzt bzw. Therapeuten zu Rate ziehen, der mit diesem Zustand direkte Erfahrung hat, zumal der Verlauf der Krankheit bei jedem Patienten unterschiedlich ist und auch als Auslöser von TS verschiedene Ursachen in Betracht kommen können.

Quelle: Bundesverband Torticollis e.V.

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Links: Schiefhals (Torticollis spasticus)
Neuroscript (Dr. Kubik): Kurze Übersicht (Dystonie)
Goethe-Uni Frankfurt: Kurze Übersicht (Dystonie)
Onmeda: Ausführliche Website (Dystonie)
Uni Düsseldorf: Ausführliche Website (Dystonie)
Deutsche Gesellschaft für Neurologie: Ausführliche Seite (Dystonie)
Schmerzklinik Bad Mergentheim: Verschiedene Torticollis-Formen
Botulinumtoxin
Cross-Therapie: Fehlstatik als Ursache für Schiefhals
Kiss-Kid: Kiss-Syndrom: Verwandtes Thema
Bundesverband Torticollis: Selbsthilfeorganisation
Deutsche Dystonie Gesellschaft: Selbsthilfeorganisation
Dystonie-Forum: Betroffene fragen und antworten
Weitere Links zum Thema Gesundheit!
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